Was sind eigentlich Ceramide?

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Unsere Haut ist in der Lage, uns im Alltag Schutz zu bieten. Ceramide spielen dabei eine Schlüsselrolle, diese sind in vielen Cremes enthalten – aber was sind Ceramide eigentlich?

Wenn eine Sache gut funktioniert, wird man sie weder verändern noch ernsthaft hinterfragen. Und meist geht der Verantwortliche für den reibungslosen Ablauf ohne Lob vom Platz, einfach weil man seinen Erfolg mit der Zeit für selbstverständlich hält. Dieses Schicksal teilt wohl auch unsere Haut als größtes Organ des Körpers. Sie hält Eindringlinge sicher ab, von denen es Milliarden gibt. Und sie hält die Feuchtigkeit im Körper – ein wesentlicher Beitrag, gerade wenn man weiß, dass der Mensch je nach Alter zu 50 bis 80 Prozent aus Wasser besteht.   

Wie bekommt unsere Haut das hin, 24 Stunden am Tag? An diesem Punkt kommen die Ceramide ins Spiel. 

Was sind Ceramide?

Ceramide sind Fettbausteine in unserer Haut, die ständig neu gebildet werden. Kommt es zu einem Mangel, wäre die Hautbarriere angegriffen, was sich schnell in einem unreinen Hautbild zeigen würde. 

Um die Funktion der Ceramide besser zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf den Aufbau unserer Oberhaut, der Epidermis. Sie besteht aus mehreren Schichten – der Basalschicht, Stachelzellschicht, Körnerzellschicht und Hornschicht, wobei die Hornschicht ganz außen ist. An einigen Stellen des Körpers, zum Beispiel an den Handinnenflächen, kommt unter der Hornschicht noch die sogenannte Glanzschicht hinzu. 

Mit Blick auf die Ceramide ist vor allem die Hornschicht von Interesse, die uns vor Verletzungen, Infektionen und vor allem auch dem Austrocknen schützt. Diese Hornschicht besteht weitgehend aus Wasser und abgestorbenen Hautzellen, die von Fetten – Lipiden – zusammengehalten werden. Rund 60 Prozent dieser Lipide bestehen aus den Fettbausteinen der Ceramide.

Die Ceramide sind damit ein entscheidender Teil der Hautschutzbarriere.

Auch innerhalb der Ceramide lassen sich weitere Unterteilungen vornehmen, wobei unterschiedliche Ceramide auch unterschiedliche Funktionen erfüllen. Neun verschiedene Ceramidarten sind bekannt und werden als kosmetische Inhaltsstoffe auf dem jeweiligen Pflegeprodukt ausgewiesen. Erleichtert wird das durch eine Zuordnung zu Buchstaben, die Näheres über die Struktur und die Entstehung des jeweiligen Ceramids verraten. Die Aufschlüsselung ist, zusammengestellt von „faces-of-fey.de“: Ceramid 1 – EOS / Ceramid 2 – NS / Ceramid 3 – NP / Ceramid 4 – EOH / Ceramid 5 – AS / Ceramid 6 – AP / Ceramid 7 – AH / Ceramid 8 – NH / Ceramid 9 – EOP. Bei der Bildung der meisten dieser Ceramide spielt Linolsäure eine Schlüsselrolle. 

Woher kommen die Ceramide?

Auch wenn der chemische Prozess komplexer ist, kann das wichtige Ceramid 1 als Ester der Linolsäure beschrieben werden. Das bedeutet zugleich, dass genau diese Fettsäure, die Linolsäure, benötigt wird, um den Schutz unserer Haut zu garantieren. Die Säure muss dem Körper zugeführt werden, denn er kann sie nicht selbst bilden. 

Neben der Linolsäure, die übrigens auch für die Ceramide 4 und 9 benötigt wird, gibt es aber noch weitere Stoffe, die die Bildung von Ceramiden im Körper erst ermöglichen oder zumindest anregen. Dazu gehört Phosphatidylcholin als wichtigster Bestandteil der Zellmembran ebenso wie Sphingosin, ein einfach ungesättigter Aminoalkohol. Membranlipide und einige weitere Stoffe kommen hinzu.   

Obwohl unser Körper die Ceramide ständig neu bildet, wird auch geraten, sie durch Pflegeprodukte zuzuführen. Dabei handelt es sich um eine Form der Unterstützung, die gerade dann wichtig sein kann, wenn die Hautschutzbarriere geschwächt ist. Bei diesen kosmetischen Produkten ist laut „faces-of-fey.de“ aber wichtig, dass sie nicht nur Ceramide von außen liefern, sondern auch die körpereigene Produktion anregen. Zudem, so der Warnhinweis, sei bei den genutzten Cremes oder anderen Produkten, darauf zu achten welche Ceramide in welchem Verhältnis vorhanden sind. Werde vom Hersteller zum Beispiel nur auf ein bestimmtes Ceramid gesetzt, könne das Gleichgewicht in der Hornschicht leiden, was im schlimmsten Fall dem Schutz eher schade als ihm nütze. Cremes, die ein ähnliches Verhältnis der Ceramide abbilden, wie sie in der Haut tatsächlich vorkommen, seien daher besonders effektiv. 

Wer sollte Pflegeprodukte mit Ceramiden nutzen?

Da Ceramide körpereigene Stoffe sind, gelten sie generell als gut verträglich. Die Anwendung kann also Menschen mit allen Hauttypen empfohlen werden. Der positive Effekt zeigt sich jedoch besonders deutlich, wenn bereits eine Schädigung der Haut vorliegt, sie rau und trocken ist, oder sich die Zeichen des Alters immer deutlicher im Hautbild bemerkbar machen. Auch bei einer Neurodermitis können diese Produkte für Linderung sorgen. 

Da Ceramide gegen trockene Haut besonders gut helfen, wird manchmal fälschlicherweise angenommen, dass man ihren Einsatz bei öliger Haut eher meiden sollte. Das Gegenteil ist der Fall. Ceramide sind in der Lage, die Talgproduktion zu regulieren. Im Grunde ergibt sich das aus der Tatsache, dass Ceramide für eine bessere Versorgung der Haut mit Feuchtigkeit sorgen. Ist unsere Haut feucht und prall, fährt der Körper auch die Talgproduktion wieder auf ein gesundes Maß zurück. 

Natürlich sollte man auch bei Ceramid-haltigen Cremes darauf achten, dass sie zum eigenen Hauttyp passen. Wer also zum Beispiel recht fettige Haut hat wird besser eine nicht zu reichhaltige Creme wählen. Meist wird es sich bei diesem Hauttyp sogar lohnen, statt auf eine Creme auf ein Serum auf Wasserbasis zu setzen. Auf diesem Wege profitiert unsere Haut durch eine bessere Durchfeuchtung, die Gefahr verstopfter Poren bleibt aber gering. 

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass Ceramid-haltige Cremes und Seren vor allem bei sehr trockener Haut, öliger Haut und bei Krankheiten wie Neurodermitis gute Dienste leisten. Im Falle von Neurodermitis ist es jedoch wichtig, sich vorher beim Dermatologen kundig zu machen. Dass der Dermatologe eine Behandlung mit Ceramiden verschlägt gilt als wahrscheinlich, da eine Neurodermitis meist mit einem Ceramidmangel in Zusammenhang steht. Eine individuelle Beratung ersetzt diese Erkenntnis aber nicht.

Auch wenn die ersten Fältchen auftauchen, wird man sich an der Wirkung von Ceramiden erfreuen können. Durch mehr Feuchtigkeit in der Haut verschwinden die ersten Zeichen des Alterns fast wie von allein. Wem es vorrangig auf den Anti-Aging-Effekt ankommt, kann zu Cremes mit einer Wirkstoffkombination greifen. Zu den beliebtesten Beimengungen zählt dabei Hyaluronsäure, ebenfalls ein körpereigener Stoff, der enorme Mengen an Wasser an sich binden kann. Die natürlichen Reserven im Körper nehmen aber schon ab einem Alter von rund 25 Jahren ab. 

Woher kommen Ceramide in der Kosmetik?

Die Gewinnung kann auf dreierlei Wegen erfolgen: synthetisch, auf pflanzlicher Basis oder aus der Haut von Tieren. Bei einem pflanzlichen Ursprung ist die Anti-Aging-Wirkung geringer, die Versorgung mit Feuchtigkeit wird aber gewährleistet. Tierische Grundprodukte sind inzwischen immer umstrittener, hier stimmen Anti-Aging und Feuchtigkeitsbooster jedoch. Da das auch für die synthetische Herstellung zutrifft, ohne dass gravierende Unterschiede in der Qualität erkennbar würden, halten viele den Einsatz synthetischer Ceramide für den besten Weg. 

Woher kommen die enormen Preisunterschiede bei den Cremes?

Die Experten von „faces-of-fey.de“ sehen die Begründung dafür in den unterschiedlichen Herstellungsverfahren. So könnten die Cremes einerseits auf einer Öl-Wasser- oder einer Wasser-Öl-Basis hergestellt werden, andererseits aber auch als DMS-Produkt. Die Abkürzung DMS steht dabei für „Derma Membran Structure“ und das Verfahren soll zu viel kleineren Phospholipid-Membranen in der Emulsion führen. Auf dem Portal heißt es zu diesen Produkten: „Dadurch sind sie um ein Vielfaches wirksamer als andere Cremes. Diese Cremes auf DMS-Basis mit Hydrogenated Lecithin und Hydrogenated Phosphatidylcholin stellen das Next Level in Sachen Wirksamkeit und Ceramidbildung dar“ – und das schlägt sich auch im Preis nieder. 

Pflege sollte trotz Ceramiden immer ganzheitlich erfolgen

Auch wenn die Kosmetikindustrie in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht hat, sollten die neuen Möglichkeiten nicht zu Nachlässigkeit verleiten. Ja, wir können unsere Haut nach einer durchzechten Nacht mit High-Tech-Cremes und Seren wieder aufpolstern, aber mit den Jahren wird unsere Haut dennoch zeigen, wie wir unseren Alltag verbracht haben. Dabei gilt immer: Wer glücklich lebt, lebt auch gesund! Ein genereller Verzicht auf ein gutes Glas Wein oder ein wärmendes Bad in der Morgensonne wird also gar nicht verlangt. Einige Dinge, die unserer Haut wirklich gut tun, lassen sich aber ohne großen Verzicht und meist auch mit wachsender Freude umsetzen. Dazu zählen eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung – unter anderem um unseren Linolsäure-Haushalt auf Vordermann zu bringen – und ausreichend Wasser. 1,5 Liter täglich sollten es Ernährungswissenschaftlern zufolge mindestens sein. Wer jetzt noch ausreichend schläft, zu viel Stress vermeidet und ab und zu zum Sport an der frischen Luft aufbricht, wird sich eines schönen Teints erfreuen und bei der morgendlichen Beauty-Routine gerne in den Badspiegel schauen.  

Ausdrücklich erwähnt sein soll auch, dass die UV-Strahlen der Sonne für unsere Haut riskant sind. Sie trocknen sie schneller aus, tiefe Falten entstehen und auch Hautkrebs kann eine mögliche Folge sein. Ein guter Sonnenschutz mit einem hohen Lichtschutzfaktor ist daher unerlässlich. 

Pflegeprodukte mit Ceramiden, der Versuch lohnt

Setzt Du schon Ceramide in Deiner Hautpflege ein? Dann bist Du gut vor schädlichen Umwelteinflüssen geschützt und wirst Dich einer gesunden Haut erfreuen. Falls Du es zum ersten Mal probieren willst, könnte eine dermatologisch getestet Tagescreme oder Gesichtscreme ein guter Einstieg sein. Für den Extra-Kick an Feuchtigkeit sorgen dabei neben den Ceramiden oft auch Retinol, Hyaluronsäure und Vitamin C sowie beruhigende Öle wie Argan– oder Jojobaöl. Trotz der guten Hautverträglichkeit solltest Du auch diese Cremes oder Seren erst einmal an einer unauffälligen Stelle testen. Allergische Reaktionen sind sehr selten, aber nicht auszuschließen. 

Und noch einen Tipp für einen Pflege-Moment, der ganz Dir gehört: Eine pflegende Maske mit Ceramiden entspannt nicht nur Deine Haut, sondern auch Dich. Diese Auszeit ist Erholung pur.