Süßholz

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Wer „Süßholz raspelt“, redet einem Menschen sprichwörtlich zu Munde – oder bereitet eines der vielen Produkte vor, die aus Süßholz entstehen. Aber was ist Süßholz eigentlich?

Süßholz ist eine Pflanze (Gylcyrrhiza glabra), die zu den Schmetterlingsblütlern gehört und im Mittelmeerraum sowie im Vorderen Orient beheimatet ist. Die Pflanze freut sich über Sonne, Frost verträgt sie dagegen schlecht. Aufgrund ihrer Inhaltsstoffe wird die Süßholzwurzel sowohl in der Medizin, als auch in der Kosmetik für viele sehr unterschiedliche Produkte verwendet, aber auch in der Süßigkeit Lakritz. Daneben spielt sie ihre Stärken in zahlreichen Genussmitteln aus. Ohne sie würde es beispielsweise keine Lakritze geben, aber auch einigen Getränken verleiht Süßholz erst den richtigen Geschmack. 

Welche Pflanzenteile und Inhaltsstoffe für welche Produkte verwendet werden, wollen wir im Folgenden genauer unter die Lupe nehmen.

Die Süßholzwurzel und ihre Wirkung auf unsere Haut

Nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, kurz LGL, enthält die Süßholzpflanze mehr als 400 Wirkstoffe. Die größte Bedeutung hat die Wurzel, auch wenn sie zunächst viel unscheinbarer wirkt als die üppigen Blüten der Pflanze mit ihrer auffälligen Lila-Färbung. Sie ist reich an Glykosid, genauer an Glycyrrhizin, einem Kalium- oder Calciumsalz der Glycyrrhizinsäure. Daneben befinden sich in der Wurzel unter anderem zahlreiche Phenol-Verbindungen. 

Das Glykosid mit seinem sperrigen Namen macht bis zu 15 Prozent der Wurzel aus. Es ist der Stoff, aus dem Lakritz besteht. Glycyrrhizin hat die 50-fache Süßkraft von Saccharose, also von unserem normalen Haushaltszucker. Das macht den Stoff interessant für die Lebensmittelindustrie, aber er hat auch eine Bedeutung für kosmetische Produkte, in denen Süßholzwurzelextrakt verarbeitet wird. Der gewünschte Effekt: Die Haut, gerade die empfindliche Haut, wird nachhaltig beruhigt. Dabei macht man sich die entzündungshemmende Wirkung von Glycyrrhizin zunutze, was auch in der medizinischen Anwendung von Bedeutung ist. Später mehr dazu. 

Für die Pflege unserer Haut spielen zwei weitere Stoffe der Süßholzwurzel eine große Rolle: Flavonide und Cumarin. Cumarin, ein Pflanzenstoff mit einem intensiv-würzigen Geruch, wirkt laut „faces-of-fey.de“ ebenfalls beruhigend, krampflösend und entzündungshemmend. Die verschiedenen Flavonoide, die Süßholzwurzel soll allein mehr als 40 Arten enthalten, gelten dagegen als gute Radikalfänger. Sie bringen also eine antioxidative Wirkung mit und sorgen damit für einen schönen Teint. Unerwünschte Zeichen der Hautalterung werden verzögert und damit erst im höheren Alter sichtbar. 

Bewährt hat sich die Süßholzwurzel auch, wenn es darum geht, Pigmentflecken auf der Haut weniger sichtbar zu machen. Das Extrakt der Wurzel kann, ebenso wie Vitamin C und Niacinamid, die Melaninbildung hemmen und die Flecken auf der Haut aufhellen.   

Wie wird Süßholz in der Medizin genutzt?

Süßholz gilt als Heilpflanze, die bei sehr verschiedenen Leiden Linderung verschaffen kann. Ihr positiver Effekt auf die Haut wurde bereits benannt, aber auch bei Erkältungs- oder Magenbeschwerden kommt die Pflanze zum Einsatz. Bei Infekten sorgt Süßholz dafür, dass die Bronchialschleimhaut angeregt wird und sich ein dünnflüssiges Sekret bildet. Es kann dann leichter abgehustet werden als der zähflüssige Schleim, der sich bei Erkältungen häufig bildet. 

Laut „apothekenumschau.de“ sorgen die Extrakte der Wurzel bei der Einnahme in Form von Medikamenten auch dafür, dass die Produktion von Magensäure gehemmt wird. Bei einer Magenschleimhautentzündung, einer Gastritis, kann sie helfen, die Entzündung schneller abklingen zu lassen. Beschwerden wie Magenschmerzen oder ein unangenehmes Völlegefühl nehmen ab, wir fühlen uns wieder wohler. 

Sei es bei Entzündungen, Allergien und oxidativem Stress, oder auch bei Lebererkrankungen, Diabetes oder nervlichen Problemen – in der Medizin wird oft auf Süßholz gesetzt. Meist erfolgt die Behandlung dann mit einer Kombination verschiedener Wirkstoffe, wobei die Süßholzwurzel positive Effekte verstärken soll.  

Die Einnahme von Präparaten mit Süßholz sollte allerdings nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt erfolgen. Bei einer zu hohen Dosierung kann es sonst zu einem Anstieg des Blutzuckerspiegels und des Blutdrucks kommen. Diabetiker sollten besondere Vorsicht walten lassen, ihnen werden Süßholz-Präparate meist ebenso wie Schwangeren nicht empfohlen. Ähnliches gilt für Menschen, die Herzmedikamente einnehmen oder mit Kortison behandelt werden. Um negative Wechselwirkungen auszuschließen, ist der Rat des Mediziners gefragt. Er wird bestimmt auch darauf hinweisen, dass bei der Einnahme von Süßholz auf eine kaliumreiche Ernährung geachtet werden sollte, da der Körper durch die Mittel oft mehr Kalium ausscheidet.  

Süßholzwurzel stand schon im Mittelalter hoch im Kurs

Bei „zentrum-der-gesundheit.de“ wird beschrieben, dass Süßholz zu den ältesten Heilmitteln überhaupt gehört und sich schon in vorchristlicher Zeit höchster Wertschätzung erfreute. Damals soll die Pflanze vor allem dazu genutzt worden sein, Muskeln und Knochen zu stärken. Aber auch die glättende Wirkung auf die Haut war demnach bereits bekannt. Verstorbenen Pharaonen wurde die Süßholzwurzel mit ins Grab gelegt. So sollten sie Durst und Hunger besser ertragen. 

Auf denselben Effekt vertrauten dem Bericht zufolge auch nomadische Reiter, die auf ihren langen Wegen durch die Steppe Süßholz kauten. So entstand ein Gefühl der Sättigung und die Reiter, die nur sehr begrenzte Vorräte mitnehmen konnten, wurden nicht vor der Ankunft von ihrem Hunger übermannt. 

In der europäischen Geschichte des Mittelalters ist die Wurzel eng mit dem Namen Hildegard von Bingen verknüpft. Die Benediktinerin, eine der führenden Universalgelehrten ihrer Zeit, wusste die beruhigende Wirkung der Heilpflanze zu schätzen und schrieb: „Das Süßholz ist von gemäßigter Wärme und bereitet dem Menschen eine klare Stimme, gleich wie es gegessen wird. Es macht seinen Sinn mild, seine Augen klar und mobilisiert seinen Magen zur Verdauung. Süßholz ist besonders nützlich für einen zügellosen Geisteskranken, wenn er es oft isst, weil es die Wut auslöscht, die in seinem Hirn ist.“ Sie pries die Wurzel als Mittel gegen Verdauungsbeschwerden und empfahl ihren Einsatz gegen Lungenleiden. 

Viele ihrer Erkenntnisse prägten nicht nur das späte Mittelalter, sondern haben sich bis heute erhalten. Und die Breite der Einsatzgebiete hat sich dabei keineswegs verloren: Behandelt werden – unterstützend und nach ärztlicher Rücksprache – Magen- und Darmgeschwüre und Entzündungen der Schleimhäute ebenso wie Verstopfungen, Herpes oder Fruchtbarkeitsprobleme, die auf ein hormonelles Ungleichgewicht zurückgehen. 

Die Süßholzwurzel in der Ernährung

Das mit Abstand bekannteste Produkt aus der Süßholzwurzel ist Lakritze. Dafür wird die Wurzeln zunächst zerspant und anschließend in sehr heißem Wasser (fast) gekocht. Nach einer Weile dickt sich die Flüssigkeit ein und muss nach dem Abkühlen und Trocknen nur noch in Blöcke geschnitten oder zu einem Granulat zerrieben werden. 

Das Produkt heißt Rohlakritze, die meist weiterverarbeitet wird. Bei der Herstellung der Süßware Lakritze geschieht das meist, indem einige andere Stoffe wie Gelatine, Zuckersirup und Mehl zugesetzt werden. Oft kommen auch noch Aromastoffe wie Fenchelöl oder Anis hinzu. Ihren typischen Geschmack erhält die Lakritze aber dennoch aus der Süßholzwurzel, also vor allem durch das enthaltene Glycyrrhizin. Um die typische, tiefschwarze Färbung zu erreichen wird dann allerdings in den meisten Fällen getrickst: Farbstoff aus Aktivkohle sorgt für das satte Schwarz.

Der große Vorteil an der Leckerei Lakritze: Die antibakterielle und entzündungshemmende Wirkung aus dem Süßholz sind weiterhin vorhanden und haben positive Folgen für Magen-Darm und die Gesundheit. Was wir hier naschen, ist also nicht einfach lecker – wobei sich da die Geister scheiden – sondern zumindest bis zu einem gewissen Grad auch noch gesund. Übertreiben sollte man es allerdings nicht, wie oben bereits kurz angeklungen ist. Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt, dass es sonst zu Bluthochdruck und Herzproblemen kommen könnte. 

Einfach lecker: Süßholz in Getränken

Das klassische Getränk aus Süßholz ist Tee, wobei auch hier meist die Wurzel der Pflanze verwendet wird. Bei vielen Tees wird die süße Wurzel mit anderen Aromen gemischt, so zum Beispiel mit Minze, die ihr erfrischendes Aroma beisteuert. 

Das bekannteste alkoholische Getränk, das Süßholzwurzel enthält, ist Pastis, der in Frankreich gerne gemischt mit Wasser schon vor dem Sonnenuntergang genossen wird. Da der eigentliche Geschmack von Anis kommt, ist das jedoch nur wenigen Menschen bekannt. Wer tatsächlich den reinen Süßholzgeschmack erleben will, kann es mit einem Süßholzlikör oder Süßholz-Sirup probieren. Der Sirup lässt sich auch selbst herstellen, indem man die Späne der Wurzel aufkocht und den Sud anschließend durch ein Tuch abseiht. Meist wird hier zusätzlich noch etwas Rohrzucker zugesetzt. 

Wo kann man Süßholzwurzel kaufen?

Die Süßholzwurzel wird in Reformhäusern, Drogerien und vielen gut sortierten Lebensmittelmärkten angeboten. Auch viele Gewürzkontore haben sie im Angebot. Es ist ratsam, sie in zertifizierter Bio-Qualität zu erwerben. 

Das Gros an Süßholz geht aber in verarbeiteter Form über den Ladentisch, in Cremes, Seren oder Tropfen, im Toner, Exfoliant oder Moisturizer. Viele dieser Produkte sind für alle Hauttypen geeignet, denn das Wurzelextrakt ist gut verträglich. Wer erste Erfahrungen machen möchte, ohne in Kosmetik zu investieren, kann gereizte Hautstellen auch mit abgekühltem Süßholztee abtupfen. Meist bleibt die Wirkung hier jedoch hinter den Erwartungen zurück, da der Stoff nicht konzentriert genug ist. Einen Versuch ist es gerade bei regelmäßiger Anwendung aber dennoch wert.   

Um im Geschäft festzustellen, ob ein kosmetisches Produkt Süßholz enthält, hilft oft nur ein Blick auf die Liste der Inhaltsstoffe, wo man dann mit schwierigen Namen wie Glycyrrhiza Glabra, Glycyrrhetinic Acid oder Dipotassium Glycyrrhizate konfrontiert wird. Da Süßholzextrakt sehr teuer ist, lässt sich die Beimischung in höheren Konzentrationen leider auch am Preis erkennen. So kostet zum Beispiel ein Exfoliant in der 50 Milliliter-Dosierung häufig mehr als 30 Euro. Das gilt auch für Toner, die allerdings meist mehr Inhalt enthalten. 

Eine angenehme Art, den Duft und die Wirkung von Süßholz kennenzulernen, ist eine pflegende Dusche. Duschgels mit Süßholz sind inzwischen Teil vieler Pflegeprogramme renommierter Hersteller. Wer in der Drogerie oder Apotheke nicht fündig wird, kann sich ganz bestimmt an das Verkaufspersonal wenden. Da die Nachfrage ständig wächst, kennen sich viele Fachkräfte inzwischen sehr gut mit dem Süßholz-Sortiment aus.