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Urea – Harnstoff in der Kosmetik

Inhaltsübersicht

Urea hilft gegen trockene Haut – und das weit nachhaltiger als Fette und Öle. Der Harnstoff zählt zu den festen Bestandteilen vieler Pflegeprodukte. Aber woraus besteht er eigentlich?

Das Wort Urea erinnert an Urin, was kein Zufall ist. Beides ist aber keineswegs gleichzusetzen, womit auch jede Form von Ekel beim Gedanken, sich Urea auf die Haut zu schmieren, unberechtigt wäre. Zwei Gründe sind dafür maßgeblich: Zum einen ist der Harnstoff nur ein Bestandteil des Urins, der beim Eiweißstoffwechsel im Körper entsteht. Urea wird also mit dem Urin ausgeschieden und muss zugleich wichtige Funktionen im Körper erfüllen. Zum anderen stammt Urea in der kosmetischen Industrie schon lange nicht mehr von Tieren oder gar vom Menschen. Urea wird also auch nicht aus Urin gewonnen, selbst wenn das möglich wäre, sondern synthetisch hergestellt – laut „faces-of-fey.de“ gibt es dieses „vegane Urea” übrigens schon seit fast 200 Jahren. 

Es gibt sogar noch einen dritten Punkt, der für Urea auf der Haut spricht: Es ist hier ohnehin schon vorhanden! Wir scheiden den Harnstoff nämlich nicht nur mit dem Urin auf der Toilette aus, sondern auch ständig mit unserem Schweiß am ganzen Körper.  

Was bewirkt Urea im Körper?

Urea, das lateinische Wort für Harnstoff, ist ein Stoffwechselprodukt des Körpers. Der Harnstoff, der in der Leber gebildet wird, ist notwendig, um Stickstoff mit dem Urin auszuscheiden. Der Stickstoff wiederum entsteht, wenn sich Aminosäuren abbauen. Würde der Stickstoff, genauer Ammoniak, im Körper verbleiben, wären schwere Vergiftungen die Folge. 

Harnstoff ist in seiner Reinform kristallin und zudem geruchlos, löst sich aber sehr gut in Wasser. Das erleichtert den Transport innerhalb des Körpers, der auch über die Blutbahnen erfolgt. Um den Harnstoffzyklus genauer zu verstehen, müsste man tief in die komplexen chemischen Prozesse im Körper einsteigen. Die entscheidende Rolle spielen dabei die Zellen der Leber, die Hepatozyten. Sie machen fast 80 Prozent der Leber aus und sind dafür verantwortlich, durch Prozesse der Umwandlung eine Vergiftung des Körpers zu verhindern. Hier findet zudem die Synthese der Gallen- und Fettsäuren statt.

Wozu wird Urea verwendet?

Kaum eine Chemikalie wird weltweit in größeren Mengen produziert als Harnstoff. Schätzungen gehen von mehr als 200.000.000 Tonnen jährlich aus. Das macht schon deutlich, dass die Verwendung in der Hautpflege nicht der einzige Verwendungszweck sein kann. 

Urea wird in der Industrie als Grundstoff für viele andere Endprodukte und Chemikalien verwendet. Dazu zählen unter anderem Klebstoffe aber auch Stickstoffdünger, der in großen Mengen zum Einsatz kommt. Zudem werden aus Harnstoff bestimmte Harze erzeugt, die beispielsweise bei der Produktion von Spanplatten zum Einsatz kommen. Auch hier geht es um große Mengen. 

Weitere Einsatzfelder für Urea liegen im medizinischen Bereich, in der Lebensmittelindustrie und im Umweltschutz. Bekannt aus dem Alltag ist Urea im Auto, wo der Stoff im Zusammenspiel mit dem nachgeschalteten Katalysator dabei hilft, Stickoxide zu reduzieren. 

In kosmetischen Produkten wird Urea ebenfalls immer beliebter. Hier macht man sich vor allem zunutze, dass der Harnstoff Feuchtigkeit bindet, die die Haut dringend benötigt. 

Das vermag Urea in der Kosmetik zu leisten

Die wichtigste Aufgabe von Urea in Pflegeprodukten ist es, den Feuchtigkeitshaushalt der Haut auf einem hohen Niveau zu halten. Dabei ist der Harnstoff vielen anderen Zusätzen wie Fetten und Ölen weit überlegen, da er nicht nur an der Oberfläche wirkt. Urea, das ja auch natürlich im Körper vorkommt, dringt tief in die obere Hautschicht ein und speichert die Feuchtigkeit im Inneren. Die Haut wirkt damit sichtbar straffer und gesünder. Der Effekt ist auch wesentlich nachhaltiger, als wenn es hier nur um eine Schutzschicht ginge, die einen Feuchtigkeitsverlust verhindert. 

Besonders von diesen Eigenschaften profitieren können Menschen, die unter der sogenannten Reibeisenhaut leiden. Dabei wirkt die Haut rau und uneben, zudem bilden sich kleine Pickel, die sich hart anfühlen und deutlich erfühlen lassen. Das Problem kann an vielen Stellen des Körpers auftreten, nicht zuletzt im Gesicht, an den Oberarmen, am Po und an den Beinen. Junge Frauen sind besonders häufig davon betroffen und das Leid wächst mit der Tatsache, dass es keine wirkliche Heilung gibt. Allerdings kann eine gute Pflege der Haut für eine deutliche Linderung sorgen. Feuchtigkeitscremes spielen hierbei eine Schlüsselrolle und Urea zählt hier zu den wichtigsten Wirkstoffen.  

Zu den Vorteilen von Urea-Produkten zählt zweifellos ihre gute Verträglichkeit. Allergische Reaktionen und Hautreizungen sind sehr selten, denn anderenfalls müsste der Körper schon auf das Schwitzen mit Rötungen reagieren. Kommt es dennoch zu Hautirritationen, zum Beispiel nach der Verwendung einer Bodylotion mit Urea, ist es sehr wahrscheinlich, dass ein anderer Inhaltsstoff diese Probleme verursacht. Das können zum Beispiel Duft- oder Konservierungsstoffe sein.  

Optimale Wirkung von Urea: immer auch eine Frage der Dosierung

Viele kosmetische Produkte mit Urea zielen darauf ab, trockene und rissige Haut zu beruhigen und mit Feuchtigkeit zu versorgen. Mittlerweile bestehen jahrelange Erfahrungen, welche Urea-Dosierung im Pflegemittel dabei den optimalen Effekt erzielt. Die meisten Cremes und Lotionen enthalten einen Anteil von drei bis fünf Prozent, der meist auch deutlich sichtbar auf den Produkten ausgewiesen wird. Geht es um die intensive Pflege trockener Haut – zum Beispiel bei Cremes für bestimmte Berufsgruppen, bei denen häufiger Hautprobleme an den Händen auftreten – ist auch eine Dosierung von zehn Prozent im üblichen Rahmen. Steigt der Anteil auf einen noch höheren Wert, was möglich ist, sollte ein Arzt konsultiert werden. Diese Mittel werden vor allem eingesetzt wenn es um Ekzeme und andere Hautprobleme geht, die uns über längere Zeit beschäftigen. 

Worauf Du beim Kauf von Urea-Produkten achten solltest

Wie bereits erläutert, ist Harnstoff als natürliches Produkt unseres Körpers sehr gut verträglich. Die synthetische Herstellung ändert daran nichts. In einigen Pflegeprodukten sind jedoch Paraffine oder Formaldehyd enthalten, die vor allem für eine längere Haltbarkeit sorgen sollen. Diese Stoffe sind jedoch nicht unbedenklich, wenn es um die Verträglichkeit geht. So kann Paraffin, das als günstiges Abfallprodukt in der Erdölindustrie entsteht, Hautreizungen verursachen. Auch aus Umweltsicht ist ein Verzicht dringend anzuraten: Über die Kosmetik gelangen Paraffine ins Wasser und können hier nicht biologisch abgebaut werden. Formaldehyd wiederum steht schon aufgrund seiner potentiell giftigen Ausdünstungen in der Kritik. Es wird vom Umweltbundesamt und der WHO zwar nicht verboten, aber strenge Grenzwerte sollen dafür sorgen, den Einsatz möglichst zu begrenzen. 

Ein weiterer möglicher Reizfaktor für unsere empfindliche Haut: Duftstoff. Hier besteht eine schier unüberschaubare Vielfalt an Produkten und Produkt-Zusammensetzungen, die oftmals nicht klar deklariert werden. Kommt es dann zu einer allergischen Reaktion, lässt sich der Schuldige oft nur schwer ermitteln.

Was hilft? Das ist in der Theorie relativ einfach, denn man kann auf Duft- und Konservierungsstoffe verzichten. In der Praxis ist das allerdings gar nicht so leicht umzusetzen, denn man muss dafür die lange Liste der Inhaltsstoffe studieren, die meist aus schwierigen Namen bestehen. Wem dazu das Hintergrundwissen fehlt – und das dürfte die Mehrzahl der Konsumenten sein – kann auf die Hilfe von Apps wie „Codecheck“ bauen oder sich an den Zertifikaten orientieren, sofern es sich um ein zertifiziertes Produkt handelt. Zu nennen wären hier zum Beispiel das BDIH, Ecocert-, oder NATRUE-Siegel für kontrollierte Naturkosmetik. Allerdings kommt man auch hier nicht drumherum, sich damit zu befassen, was welches Siegel eigentlich garantiert. Einen übergreifenden Standard gibt es hier leider nicht, Sicherheit ist also immer relativ.

Welche Urea-Produkte gibt es auf dem Markt?

Kosmetik mit Urea ist besonders für die trockene und sehr trockene Haut geeignet. Das ergibt sich aus der Eigenschaft des Harnstoffs, die Hautbarriere zu durchdringen und dann in der Haut Feuchtigkeit zu speichern. Die Produktpalette vieler Hersteller umfasst daher alle Pflegeprodukte von Cremes über Salben bis hin zu Lotionen. 

Da Urea auch gegen trockene Kopfhaut und Schuppen gute Dienste leistet, ist der Stoff aber auch in zahlreichen Shampoos und Spülungen enthalten. Er soll die trockene Kopfhaut nachhaltig mit Feuchtigkeit versorgen und so zugleich einer Neubildung von Schuppen vorbeugen. Einige Shampoos mit einer relativ hohen Urea-Konzentration versprechen auch Linderung bei einer Schuppenflechte und juckender Kopfhaut. In den meisten Fällen sollten die Shampoos und Spülungen regelmäßig angewendet werden, was nicht nur die Kopfhaut beruhigt, sondern auch das Haar stärkt.  

Da unsere Haut gerade im Winter durch die trockenen Heizungsluft und den hohen Temperaturunterschied zwischen Drinnen und Draußen stark beansprucht ist, gehört Urea in der kalten Jahreszeit verstärkt zur täglichen Beauty-Routine. Gefragt ist jetzt eine reichhaltige Pflege mit feuchtigkeitsbindender Wirkung, die wie immer auf den individuellen Hauttyp abgestimmt sein sollte. Gerade in der kalten Jahreszeit sollten wir unserer Haut also ein Plus an Harnstoff gönnen und uns dabei nicht nur auf das Gesicht konzentrieren. Unsere Haut wird es uns mit einem strahlenden Teint und einer frischen Ausstrahlung danken, gerade wenn eine Neigung zu trockener Haut bereits besteht.

Das solltest Du bei der Aufbewahrung von Urea-Produkten beachten

Bei der Lagerung von Urea-Produkten solltest Du die Angaben des Herstellers akribisch beachten. Gerade wenn auf Konservierungsstoffe ganz oder teilweise verzichtet wurde, kann sich der synthetisch hergestellte Wirkstoff andernfalls schnell zersetzen. Begünstigt wird dies durch hohe Temperaturen, womit meist eine kühle Lagerung empfohlen wird. Direkter Sonneneinstrahlung sollte man Kosmetik ohnehin nie aussetzen, denn das könnte dazu führen, dass sich ihre Wirkung abschwächt, oder dass sich Geruch, Farbe oder Textur verändern. Abgelaufene Kosmetik solle nicht mehr verwendet werden.

Wenn Du unter trockener und schuppiger Haut leidest, ist es immer gut, sich im Kosmetikstudio oder beim Dermatologen Rat zu holen. Die gut verträglichen Produkte mit Urea zählen ganz bestimmt zu den Empfehlungen, sofern keine Hauterkrankung vorliegt, die einer Behandlung bedarf. 

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