Neurodermitis: Ekzeme im Gesicht? Das kannst Du tun

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Wer Neurodermitis hat, weiß, wie wichtig Hautpflege ist. Doch was hilft gegen die Hauterkrankung Neurodermitis im Gesicht? 

Schlimm genug, dass die Haut juckt und schuppt: Wer unter Neurodermitis leidet, weiß, wie quälend die Krankheit sein kann. Und obwohl es keinen Grund dafür gibt, schämen sich Betroffene für ihre Krankheit und verdecken betroffene Stellen am Körper unter langen Ärmeln und langen Hosen. Nur: Im Gesicht geht das leider nicht.

Ursachen von Neurodermitis

Woher Neurodermitis kommt, ist bis heute nicht völlig geklärt. Man weiß aber, dass eine genetische Veranlagung eine Rolle spielt. Sind beide Eltern betroffen, gibt es ein 60 bis 80-prozentiges Risiko, dass das Kind die Erkrankung auch hat, heißt es auf „gesundheit.gv.at„, dem öffentlichen Gesundheitsportal Österreichs. Allerdings sei es auch möglich, dass trotz einer Veranlagung keine Krankheitszeichen auftauchen. Auch eine vorbeugende Behandlung könne sie eventuell verhindern, verzögern oder zumindest abschwächen. 

Bei Menschen, die Neurodermitis haben, reagiert das Immunsystem übertrieben heftig auf Reize, die eigentlich ganz harmlos sind: Das könnten etwa Pollen oder Tierhaare, erklärt die Deutsche Haut- und Allergiehilfe (DHA) auf „dha-neurodermitis.de„. Als Folge dieser Überreaktion des Immunsystems entstehen Entzündungen, da die Hautbarriere geschwächt ist. Die Veranlagung dazu wird auch Atopie genannt. Zu atopischen Krankheiten gehören neben Neurodermitis zum Beispiel allergisches Asthma, Heuschnupfen oder Nahrungsmittelallergien.  

Neurodermitis kommt in Schüben 

Bei Menschen mit Neurodermitis (auch atopisches Ekzem genannt) funktioniert die Haut nicht so, wie sie sollte, erklärt „gesundheit.gv.at„. Die Haut, das größte Organ des Menschen, ist trocken und empfindlich. Es juckt und brennt und leistet Entzündungen Vorschub. 

Weil die Haut sehr trocken ist, ist die Barrierefunktion gestört. Das könne eventuell die Entwicklung von allergischen Reaktionen begünstigen, heißt es auf dem Portal. Außerdem ist bei Patienten mit Neurodermitis der Säureschutzmantel der Haut nicht intakt, ihre Haut hat Probleme, Feuchtigkeit zu speichern und trocknet schneller aus.

Neurodermitis-Patienten kennen gute und schlechte Phasen, denn die Krankheit äußert sich in Schüben. Mal ist die Haut okay und dann tauchen wieder juckende, brennende Ekzeme auf. Diese Krankheitsschübe werden durch verschiedene Trigger ausgelöst. Provokationsfaktoren können laut DHA etwa Zigarettenrauch und Schadstoffe aus der Umwelt sein, Kleidung aus kratzigen Woll- oder synthetischen Fasern oder zu enge Kleidung, genau wie Hitze, Kälte, trockene Heizungsluft, Infektionen, Allergien oder psychische Faktoren wie großer Stress oder Aufregung. 

Dann zeigt sich Neurodermitis im Gesicht

Auch Deine Beauty-Routine spielt eine Rolle: Zu häufiges, zu langes Waschen mit zu heißem Wasser und die Verwendung von Seife schaden von Neurodermitis geplagter Haut, weil sie ihr Fett und Feuchtigkeit entziehen. Und in Pflegeprodukten können Duft- und Konservierungsstoffe allergische Reaktionen auslösen. Wer auf welche Auslöser wie stark reagiert, ist dabei individuell verschieden. Auch den einen Auslöser gibt es nicht, es ist vielmehr ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren. 

Eine atopische Veranlagung zeigt sich bei manchen Menschen auch im Gesicht: Augenschatten oder eine doppelte Falte am unteren Augenlid, die Dennie-Morgan-Falte, sind Signale, die auf eine solche Veranlagung hindeuten. Zur alleinigen Diagnose taugen sie jedoch nicht, ebenso wenig, wie jeder Atopiker sie hat. 

Im Gesicht ist Neurodermitis selten

Bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen treten die juckenden Ekzeme oft an den Kniekehlen, Ellenbeugen und im Nacken auf, auch Handflächen oder Fußsohlen können betroffen sein, so „gesundheitsinformation.de„. Im Gesicht sei der juckende Ausschlag eher selten, heißt es dort. Vorkommen aber kann sie dort auch. 

Im Gesicht zeigt sich die Krankheit etwa an den Wangen, der Stirn, den Lippen, um den Mund herum, um die Augen, aber auch hinter den Ohren und an den Ohrläppchen, listet „eucerin.de“ auf. Erkrankte haben oftmals trockene, rissige oder aufgesprungene Lippen, eingerissene Mundwinkel oder schmerzhafte und entzündliche Rötungen um den Mund. 

Auf die richtige Pflege kommt es an

Manche Symptome, wie etwa trockene Haut, Jucken oder Entzündungen können auch einfach zu überempfindlicher Gesichtshaut gehören, heißt es bei „eucerin.de„. Ob es Neurodermitis ist oder nicht, kann ein Hautarzt feststellen. Er kennt auch geeignete Therapien, die helfen, die Krankheit zu lindern. Heilen lässt sich die Krankheit zwar nicht, in den Griff bekommst Du sie – mit ärztlicher Hilfe – möglicherweise schon. 

Wenn Du unter Neurodermitis leidest, sei gut zu Deiner Haut! Denn Schub oder nicht, die Haut von Neurodermitis-Patienten braucht immer besonders gute Pflege. Sie ist zart besaitet, ein richtiges Sensibelchen. Das bedeutet: cremen, cremen und nochmals cremen.

Die Deutsche Haut- und Allergiehilfe empfiehlt, die Haut mindestens zweimal täglich einzucremen, sehr trockene Haut auch häufiger. Reinigungs- und Pflegeprodukte sollten auf die Bedürfnisse neurodermitischer Haut abgestimmt sein. Beim Eincremen solltest Du darauf achten, dass Deine Hände sauber sind und die verwendeten Produkte nicht verkeimt sind, so die DHA. Nutze also besser Tuben mit einer kleinen Öffnung als große Creme-Dosen und verschließe sie nach jedem Gebrauch, so dass Verunreinigungen nicht so leicht auftreten können. 

Dieser Wirkstoff hilft bei Neurodermitis

Deine Haut muss vor dem Austrocknen geschützt werden. Das lindert Juckreiz, beugt einer Verdickung vor und minimiert auch die Häufigkeit von Schüben, so „gesundheitsinformation.de„. Am besten setzt Du dabei auf rückfettende und feuchtigkeitsbindende Mittel – diese müssen Erwachsene allerdings oft aus eigener Tasche bezahlen. Das kann ins Geld gehen.  Die gute Nachricht dabei ist:  Es ist nicht belegt, dass spezielle oder teurere Produkte besser sind, heißt es auf „gesundheitsinformation.de„. Entscheidend sei, dass man mit einem Mittel gut zurechtkommt.

Produkte, die Urea enthalten, gibt auch in der Drogerie. Diese Substanz, auch Harnstoff genannt, bindet Wasser und wird gern bei trockener Haut empfohlen. Es kann allerdings sein, dass die Creme beim Auftragen brennt. 

Ob Du Cremes, Salben oder Lotionen verwendest, hängt von der Situation ab, so „gesundheitsinformation.de„: Im Sommer sind dünnere Produkte, die schneller einziehen und die Poren nicht verstopfen, angenehmer. Dickere Produkte passen besser in die kalte Jahreszeit. Lotionen und Cremes seien eher für das Gesicht geeignet, weil sie weniger auffallen als fettigere Produkte, die sich eher für Arme, Beine und Füße eignen. Lotionen werden bei nässender Haut empfohlen und eigneten sich weniger gut bei sehr trockener Haut. 

So werden Neurodermitis-Schübe behandelt

Medikamente im klassischen Sinne gibt es gegen Neurodermitis nicht. Hautärzte behandeln Schübe mit Kortisonsalben, die gegen Juckreiz und Entzündung helfen. Im empfindlichen Hals- oder Gesichtsbereich können laut „gesundheitsinformation.de“ bei einer längerfristigen Behandlung auch Pimecrolimus oder Tacrolimus als Creme oder Salbe zum Einsatz kommen. Sie hemmen das Immunsystem und können so die entzündliche Hautreaktion lindern. Lass Dich dazu bitte vom Arzt beraten. 

Nicht nachgewiesen dagegen ist „gesundheitsinformation.de“ zufolge die Wirksamkeit von Nahrungsergänzungsmitteln mit Vitaminen, Zink oder Nachtkerzenöl, ebenso wenig wie die Behandlung mit Lasern oder eine Hypersensibilisierung. 

Darf ich das überschminken? 

Auch, wenn der Ausschlag nichts ist, wofür man sich schämen muss, so ist es eben doch so, dass damit wahrscheinlich niemand wirklich gerne in die Öffentlichkeit geht.  Wenn ein wichtiger Business-Termin ins Haus steht, wenn das Selbstbewusstsein ganz einfach im Keller ist und wenn Du dem Ausschlag ins Gesicht lachen willst, dann ist Make-up vielleicht eine Option. 

Besser, als alles komplett zu überschminken, ist es, sich auf einzelne Partien zu konzentrieren. So rät Beauty-Experte René Koch laut „spot on news“ auf „vip.de„, eine leichte Camouflage-Creme nur auf kranke Hautstellen aufzutragen. Silikonhaltiger Primer verschließe die Poren und behindere den natürlichen Hautstoffwechsel, so Koch, der in Berlin das Cosmetic & Camouflage Centrum betreibt. Mit Puder kannst Du die Übergänge zwischen Make-up und ungeschminkter Haut kaschieren, sagt er und rät, nur Mineralpuder mit hautschützendem Zink und Kieselerde oder Fixierpuder mit wasserabweisendem Magnesiumsalz zu benutzen. Er sagt: „Die meisten Kunden sind überrascht, wie natürlich gut ihre Haut aussehen kann, ohne dass das ganze Gesicht geschminkt sein muss.“  

Du kennst Deine Haut am besten 

Bei „eucerin.de“ rät man, Make-up nur über einer geeigneten Make-up-Unterlage, also am besten einer gut verträglichen Creme aufzutragen und es nicht direkt auf geröteten oder entzündeten Stellen zu verwenden. Während eines Schubs solltest Du besser ganz aufs Make-up verzichten und dann lieber nur eine Gesichtspflege zu benutzen, heißt es dort. 

Welchen Rat Du befolgst und ob und wie viel Du Dich schminken willst, bleibt am Ende natürlich Dir überlassen, schließlich kennst Du Deine Haut am besten. Sicherheitshalber solltest Du aber Deinen Arzt um Rat fragen. Denn es sollte klar sein: Wenn Du unter Neurodermitis leidest, ist die Behandlung beim Dermatologen ein wichtiger Schritt zur Besserung.

Diese Promis sprechen über Neurodermitis  

Sicher ist auch: Mit Deinem Leiden bist Du nicht allein. Laut DHA leiden bei Kindern rund 13 Prozent zumindest zeitweise unter Neurodermitis. Oft verschwindet die Krankheit mit den Jahren, bis zur Pubertät lassen die Schübe bei einem Drittel der Betroffenen nach. Nur etwa drei bis fünf Prozent der betroffenen Kinder leiden noch als Erwachsene. Es könne allerdings auch sein, dass die Krankheit zwar bis zur Pubertät nachlässt, aber später wiederkommt. Bei den Erwachsenen sind es rund drei Prozent, die unter Neurodermitis leiden. 

Die Krankheit betrifft viele Menschen und darunter sind natürlich auch Prominente. Die sehen nämlich oftmals gar nicht so perfekt aus, wie es Make-up und Insta-Filter es uns glauben lassen. Öffentlich über ihre Krankheit gesprochen hat zum Beispiel Ex-Bachelorette Jessica Paszka (31): „Ich habe Neurodermitis, seitdem ich auf der Welt bin, und es kommt schubweise. Es kam in der Schwangerschaft echt öfter als gedacht. Aber es ist nicht schlimm. Also es bringt mich jetzt nicht aus der Bahn“, erzählte sie ihren Followern in ihrer Instagram-Story, wie „rtl.de“ im vergangenen Jahr berichtete. Und Bergdoktor-Schauspielerin Andrea Gerhard (38) erzählt 2019 in einem Interview auf „bildderfrau.de„, dass sie als Kind unter Neurodermitis litt. In der Pubertät habe sie versucht, die Krankheit zu verstecken: „Da habe ich immer dicke Pullover getragen, die ich auch nicht ausziehen wollte, weil ich meine Arme aufgekratzt hatte und nicht wollte, dass andere die fiesen roten Stellen sehen.“ Doch es wurde besser: „Erst nachdem ich angefangen habe, mir selbst zu trauen, und als sich mein Selbstvertrauen stärkte, hat sich mein Hautbild beruhigt. Ruhe, Gelassenheit, eine positive Lebenseinstellung und Ausgeglichenheit waren damals und sind heute noch meine persönlichen Schlüssel zur Heilung“, so die Schauspielerin im Interview.