Eiswürfel gegen Pickel? Hilft der Kälte-Schock gegen unreine Haut?

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Not macht erfinderisch. Wer unter Pickeln leidet, versucht meist alles, um gegen den ungeliebten Makel vorzugehen. Gerne greifen Betroffene zu einem Hausmittel: die Eiswürfelmethode gehört da zum Repertoire, also gezielt Eiswürfel gegen Pickel verwenden. Aber hilft das wirklich? Wir klären in diesem Artikel auf!

Unser Körper reagiert sehr sensibel auf Temperaturschwankungen, was man geschickt nutzen kann. So verengen sich die Blutgefäße, sobald sie mit Kälte konfrontiert werden. Beim Einsatz von Eis tritt dieser Effekt sehr schnell ein. Die gegenteilige Wirkung – also eine Weitung der Blutgefäße – lässt sich mit Hitze erzielen. Genutzt werden dazu zum Beispiel Wärmepflaster.

Was aber bedeuten die Verengung beziehungsweise Weitung der Blutgefäße letztlich für die Haut? Das ist schnell erklärt: Ziehen sich die Blutgefäße zusammen, wird er Blutfluss lokal stark eingeschränkt. Schwellungen und Blutergüssen wird so „die Nahrung“ entzogen. Die Beule schwillt ab. Zusätzlich gibt es laut „apotheken.de“ einen entzündungshemmenden Effekt. 

Beim Einsatz von Wärme erfolgt dagegen eine stärkere Durchblutung. Das ist zum Beispiel von Vorteil, wenn sich die Muskeln verkrampft haben oder die Gelenke steif geworden sind. Auch bei Magenkrämpfen empfinden viele Menschen Wärme als lindernd und angenehm. Sie legen sich eine Wärmflasche auf den Bauch und können die Situation so weit besser ertragen.

Aber hilft Kälte auch gegen Pickel?

Ein Pickel ist im Grunde nichts anderes als eine entzündete Schwellung. Er entsteht, wenn sich der Talg in den Drüsen-Kanälen staut und sich dann aufgrund einer bakteriellen Verunreinigung entzündet. Bei dieser Methode sorgt die Kälte dafür, dass die Schwellung zurückgeht, womit der Pickel und Unreinheiten nicht mehr so stark hervortreten. Zugleich entsteht eine entzündungshemmende Wirkung, da die entzündlichen Prozesse verlangsamt werden.

Wie kommt das Eis zum Pickel?

Natürlich ist die Kühlung mit Eis nur eine von vielen möglichen Varianten. Sind keine Eiswürfel verfügbar, kann zum Beispiel schon kaltes Metall eine Linderung bringen. Ist Eis vorrätig, sollte mit Vorsicht agiert werden. Es ist nicht ratsam, die Haut in direkten Kontakt mit dem Eis zu bringen, da sonst „Kälteverbrennungen“ drohen. Am besten, man wickelt die Eiswürfel in ein Tuch, das im Anschluss auf die betroffene Stelle gehalten wird. Der Vorgang sollte nach circa einer Minute unterbrochen werden, kann danach aber wiederholt werden. Allerdings sollte auch hier nicht übertrieben werden, da zu viel Kälte die Haut reizt.

Eis als Beauty-Booster

Die abschwellende und entzündungshemmende Wirkung von Eis wird längst auch zu therapeutischen Zwecken genutzt. Der Fachbegriff dafür heißt Kyrotherapie, wobei eine Kyrotherapie – also Kältetherapie – lokal wie bei der Pickel-Bekämpfung angewendet werden kann, sich aber auch als Ganzkörper-Therapie etabliert hat. Die lokale Anwendung verspricht schnelle Erfolge bei unliebsamen Hautveränderungen, also zum Beispiel bei Pigmentstörungen oder Akne-Problemen. Durch die Kälte ziehen sich die Poren zusammen, unsere Haut wirkt frischer und jugendlicher. Vor einer lokalen Kältetherapie sollte die Haut gründlich gereinigt werden. 

Die Ganzköper-Kältetherapie kommt häufig zur Schmerzbehandlung oder bei starken Gelenk- oder Muskelproblemen zum Einsatz. Sie lässt sich allerdings nicht ohne professionelle Hilfe durchführen, zumal es einer Kältekammer bedarf. In ihr herrschen Temperaturen um -110°C, die Verweildauer beträgt laut „gesundheit.gv.at“ meist zwei bis drei Minuten.

Alternativen im Kampf gegen Pickel

Der Einsatz von Eiswürfeln gegen Pickel hat sich bewährt. Es gibt aber zahlreiche weitere Methoden, die in ihrer Wirkung zum Teil nachhaltiger sind. Im Umkehrschluss bedeutet das übrigens auch: Das eine Wundermittel gegen Pickel wurde bisher nicht erfunden – am Ende hilft nur Ausprobieren, denn die Reaktionen des Körpers sind von Mensch zu Mensch verschieden. Oft kann es helfen, die Ursachen der Pickel zu ergründen und dann ganz gezielt dagegen vorzugehen. Das beste Beispiel dafür sind Allergien, die zu Hautunreinheiten führen. Ist der verursachende Stoff ermittelt, genügt es schon, ihn künftig einfach wegzulassen, also zum Beispiel vom Speiseplan zu streichen.

Folgende Hausmittel haben sich neben den Eiswürfeln bei Pickeln bewährt:

Honig: Honig haftet gut auf der Haut, wirkt antibakteriell und fördert die Heilung. Nach einer Einwirkzeit, es dürfen hier ruhig zwei, drei Stunden sein, wird der Honig einfach wieder abgespült. 

Knoblauch oder Zwiebel: Auch hier setzt man auf die antibakteriellen und entzündungshemmenden Eigenschaften. Die Knoblauchzehe beziehungsweise Zwiebel wird halbiert, anschließend streicht man mit der frischen Schnittfläche über die Haut. Bei stark entzündeten Pickeln sollte nur vorsichtig getupft werden. Dieses Prozedere am besten drei-, viermal wiederholen und anschließend das behandelte Hautareal gut abspülen. 

Kamillen-Dampfbad: Geht es beim Einsatz der Eiswürfel darum, dass sich die Poren schließen, sollen sie sich beim Dampfbad öffnen. Schmutz und Talg-Überschüsse können so einfach „abtropfen“. Das übliche Verfahren ohne Profigeräte ist ein großer Topf, der mit heißem Wasser gefüllt wird. Anschließend hängt man einfach zwei Beutel Bio-Kamillentee ohne Zusätze hinein und atmet über dem Topf für einige Minuten die wohltuenden Dämpfe ein. Der positive Effekt wird verstärkt, wenn man während des Dampfbads ein großes Handtuch über den Kopf legt. 

Im Internet kursieren viele weitere Tipps, wie man die Pickel los wird. Mag der Leidensdruck auch groß sein, sind Selbstversuche mit Zahnpasta oder anderen scharfen Substanzen wie Zitrone jedoch nicht ungefährlich. Die ohnehin gereizte Haut kann empfindlich reagieren, womit dann aus einzelnen Pickeln rote Pustel-Flächen werden. Hat man das Gefühl, dass das Pickel-Problem nach zwei, drei Tagen eher schlimmer als besser geworden ist, lohnt der Gang ins Kosmetikstudio. Hier hat man „alles schon gesehen“ und weiß meist auch, wann ein Gang zum Dermatologen unumgänglich ist. 

Pickel bitte nicht ausdrücken

Viele schlechte Erfahrungen gibt es auch mit dem Ausdrücken von Pickeln, von dem laut „nivea.de“ auch die meisten Hautärzte abraten. Zwar gelingt es gelegentlich, das leidige Problem so zu lösen – aber das Risiko ist zu hoch. In den meisten Fällen sind Pickel nämlich ein temporäres Problem, was sich mit dem Ausdrücken ändern kann. Im schlechtesten Fall entstehen dabei Pickelnarben, die uns lange beschäftigen können. Auch können so Bakterien ungewollt in tiefere Hautschichten geschoben oder auf eigentlich gesunden Hautarealen auf der Oberfläche verteilt werden. Beides ruft neue Hautprobleme hervor. 

Der ganzheitliche Ansatz macht’s

Alle bisher beschriebenen Methoden bekämpfen das akute Problem von Pickeln – und da sich die Hautunreinheiten nie ganz vermeiden lassen, ist das auch wichtig. Bevor die Eiswürfel aus dem Gefrierfach geholt werden, gibt es aber eine ganze Reihe vorbeugender Maßnahmen. Sie reichen von der Stressvermeidung und gesundem Schlaf bis hin zu Sport an der frischen Luft und dem richtigen Sonnenschutz. 

Ganz oben auf der Liste der vorbeugenden Maßnahmen stehen ausreichendes Trinken und eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung. Die Krankenkassen raten dazu, mindestens 1,5 Liter Wasser am Tag zu trinken, bei sportlichen Aktivitäten oder hohen Temperaturen sogar noch mehr. Auf den Speiseplan gehören zum Beispiel Zitrusfrüchte mit einem hohen Anteil an Vitamin C, aber auch Gemüse wie Brokkoli, die den Vitamin-A-Haushalt stärken. Ebenfalls empfohlen wird Fisch, zum Beispiel Lachs mit seinen wertvollen Omega-3-Fettsäuren. Dagegen gilt es, ungesättigte Fettsäuren und zuckerreiche Nahrung zu meiden. Viele stark verarbeitete Lebensmittel stellen hier ein Risiko dar. 

Wer unter Pickeln leidet, sollte aber auch mit Milchprodukten vorsichtig umgehen. Kuhmilch kann den Hormonhaushalt beeinflussen, womit der Testosteronspiegel steigt, was die Hautunreinheiten begünstigt. Alternativ kann man hier auf Sojamilch oder auch auf Hafermilch zurückgreifen.   

Die beste Pflege und Hygiene bei Pickeln

Wer zu Pickeln neigt, muss bei der täglichen Hygiene besonders gewissenhaft agieren. Es beginnt damit, regelmäßig die Hände zu waschen und sich im Tagesverlauf möglichst nicht ins Gesicht zu fassen.

Zur Reinigung des Gesichts sollte möglichst ein sanftes, pH-neutrales Gel verwendet werden. Neben nicht zu heißem Wasser kann auch ein Mizellenwasser verwendet werden, das eine porentiefe Reinigung der Haut ermöglicht und neben dem überschüssigen Talg auch die Kalk-Rückstände des Wassers mit beseitigt. 

Bei der Auswahl der Pflegeprodukte ist dringend darauf zu achten, dass sie „nicht komedogen“ sind. Die Textur ist damit leichter, was die Gefahr verstopfter Poren deutlich minimiert. In Drogerien und Apotheken werden auch spezielle Masken gegen Pickel angeboten, die allerdings nicht zu häufig, also am besten nur einmal pro Woche eingesetzt werden sollten.  

Expertenrat: Was können Eiswürfel wirklich gegen Pickel ausrichten?

Die Redaktion von „schweizer-illustrierte.ch“ hat mit der Dermatologin Dr. Liv Kraemer über den Einsatz von Eis beim Kampf gegen Pickel gesprochen. Die Hautärztin mit eigener Praxis warnt zunächst davor, hier Wunder zu erwarten. „Magic does not exist“, macht sie ihre Meinung deutlich – und für feinere Poren brauche es letztlich nicht nur Eis, sondern ein ausgefeiltes Skincare-Programm. Ja, in manchen Fällen könne der Einsatz von Eis sogar kontraproduktiv sein, da eine Kalt-Warm-Wechselwirkung die Rötungen verstärke.

Dennoch hält die Dermatologin den Einsatz von Eiswürfeln in einigen Fällen für durchaus sinnvoll und erklärt: „Was die Pickel angeht: Ist die Entzündung, also der Pickel, groß, rot und am ‚Wachsen‘, kann man versuchen, die Schwellung durch Kühlung kurzzeitig zu vermindern und somit das Druckgefühl zu schwächen. Eine gute SOS-Maßnahme zum Beispiel vor dem ersten Date.“

Eiswürfel im direkten Kontakt mit der Haut

Unabhängig von Pickeln nutzen viele Menschen Eiswürfel, um ihren Teint einen Frische-Booster zu geben. Die sogenannten „Beauty Cubes“ kommen dabei direkt mit der Haut in Kontakt, da man sie langsam über das Gesicht gleiten lässt. Durch die Bewegungen wird der Kälte-Schock vermieden. In diesem Fall ist es allerdings ratsam, die Eiswürfel nicht aus Leitungswasser zu fertigen, sondern destilliertes Wasser zu verwenden. Es ist frei von Keimen, es werden also keine unerwünschten Erreger aufgebracht. Wer kein destilliertes Wasser parat hat, kann sich auch mit gefiltertem Wasser behelfen. Bei „elle.de“ gibt es zudem den Tipp, die selbst gefertigten Eiswürfeln mit Heilkräutern wie Kamille, Ringelblüten oder Lavendel anzureichern.